„Dank an alle, die in dieses Projekt Herz und Seele gesteckt haben“ – Zur Sportroute Leipzig wurde Station 18 eingeweiht

Als vierte von insgesamt 22 Stationen der Sportroute Leipzig wurde am 31. August 2020 am Hornbach Baumarkt die Station zum Thema Jüdische Sportvereine eingeweiht. Sie erinnert mit einer Fahnenstele an den 1920 in Leipzig gegründeten jüdischen Sportverein Bar Kochba. Er war der größte und bedeutendste der in Leipzig zwischen 1919 und 1939 beheimateten jüdischen Sportvereine.

Bar Kochba eröffnete 1922 auf dem heute dem Baumarkt stadteinwärts vorgelagerten Areal seine Platzanlage. Sie war sowohl Ort des sportlichen Wettkampfes als auch des vielseitigen kulturellen und Vereinslebens. Nach 1933, als die jüdische Bevölkerung unter der nationalsozialistische Diktatur immer stärker entehrt, degradiert und entrechtet wurde, war er Zufluchtsort und zunehmend wichtiger für das soziale Miteinander. Während der Novemberpogrome 1938 wurde der Sportplatz beschlagnahmt und der Verein dann zwangsaufgelöst. Viele Vereinsmitglieder kamen im Holocaust ums Leben.

Die Einweihung wurde gemeinsam vorgenommen von Dr. Skadi Jennicke, Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur, Dr. Anselm Hartinger, Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums, Küf Kaufmann, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig und Zsólt Balla, Landesrabbiner in Sachsen. Dr. Jennicke und Dr. Hartinger betonten vor allem, dass der Sport als Teil der jüdischen Kultur vor 1933 ein lebendiger Bestandteil des städtischen Alltags in Leipzig war. Zsólt Balla erinnerte mit seinen Worten an ein Gebot der Thora, seinen Lebensort zu verschönern und besser zu machen. Die Stele sei ein Zeichen für diejenigen Menschen, die hier Sport betrieben hätten. Und Küf Kaufmann dankte allen, die in dieses Projekt Herz und Seele gesteckt haben.

Viele Menschen nahmen Anteil an der Einweihung der Stele, unter ihnen Mitglieder des SV Makkabi, in dem seit 2005 wieder jüdischer Vereinssport möglich ist. Der Verein „Tüpfelhausen – Das Familienportal e. V.“ erinnert seit 2015 mit dem „Internationalen, Interkulturellen Fußballbegegnungsfest“ an den Verein Bar Kochba und das Schicksal seiner vielen Mitglieder. Und mit dem Verlag Hentrich & Hentrich ist ein weiterer Teil jüdischen Alltags in Leipzig zurück. Unter dem Titel „Mit Sportgeist gegen die Entrechtung – Die Geschichte des jüdischen Sportvereins Bar Kochba Leipzig“ – verfasst von Yuval Rubovitch unter Mitarbeit von Dr. Gerlinde Rohr, der langjährigen Leiterin des Sportmuseums, lag zur Einweihung der Stele ein Buch vor. Alle vom Verlag zu diesem Tag mitgebrachten Exemplare wurden verkauft.

Dr. Ingeburg Zeidler
(Text und Fotos 1, 3, 4, 5)

Abb. 2: Sportmuseum Leipzig
Abb. 6: Das Banner von „Tüpfelhausen – Das Familienportal e. V. zeigt eine Situation des
ehemaligen Sportplatzes von Bar Kochba, wie sie noch im Jahr 2015 bestand, bevor das Areal planiert wurde und seit 2016 ein wildbewachsener Platz in Privateigentum ist.